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Hamburger Abendblatt vom 29.06.17

Ilir Spaqaj übernimmt das Jorker Traditionslokal Fährhaus Kirschenland. Wilhelm Stubbe hat lange nach einem Nachfolger gesucht.

Jork. Ob Hochzeiten, Abi-Ball, Weinprobe der Bank mit guten Kunden oder runde Geburtstage – zwischen Stade und Hamburg ist das Fährhaus Kirschenland in Jork die Adresse der großen Feste. Über ein Jahr brodelte die Gerüchteküche im Alten Land, was aus dem Traditionshaus am Elbdeich wird. Die Zukunft ist jetzt gesichert.

Lange hat der 80 Jahre alte Wilhelm Stubbe einen Nachfolger gesucht, der das Fährhaus in der Tradition der großen Feste fortführt. Im August übernimmt Ilir Spaqaj das Fährhaus. Seine Ausbildung machte der Jorker im Sterne-Hotel Louis C. Jacob an der Hamburger Elbchaussee.
Wilhelm Stubbe rückt in die zweite Reihe

„Ich trete in große Fußstapfen,“ spielt Spaqaj auf die Lebensleistung von Stubbe an, der ein halbes Jahrhundert das Kirschenland geführt und mit persönlicher Note zum Erfolg gebracht hat. Wilhelm Stubbe bleibt weiter an Bord, rückt aber in die zweite Reihe, um seinen Nachfolger zu beraten und zu unterstützen. Die zwanzig Festangestellten und Aushilfen müssen nicht um ihren Arbeitsplatz bangen. Das vertraute Team bleibt, angeführt von Servicechefin Erna Bruhn, Stubbes acht Jahre jüngere Schwester.

Jemand zu finden, der das Erbe von Wilhelm Stubbe in der Tradition des Fährhauses fortsetzt, war nicht einfach. Ein Makler bot die prominente Adresse zunächst für 950 000 Euro an. Aber es kamen die Falschen, die wohl nicht das Festkonzept mit regionaler Küche fortgesetzt hätten. Stubbes Kinder und Enkelkinder winkten vor längerer Zeit bereits ab, weil sie sich beruflich anders orientiert hatten.

Der Zufall brachte Stubbe mit Ilir Spaqaj zusammen. Der 35-jährige Hamburger war vor gut einem Jahr mit Frau und kleinem Kind ins Grüne gezogen.

 

 

Zu der Zeit war er in der Serviceleitung des Carls, das an der Elbphilharmonie als Tochterunternehmen von Louis C. Jacob firmiert. Für die Einweihungsfeier in seinem Gehrdener Haus wollte Spaqaj sich Bierbänke bei Stubbe leihen – das war der Anfang.
Das bisherige Konzept des Hauses wird weiter entwickelt

Spaqaj wurde im Kosovo in Prizren an der albanischen Grenze geboren, schloss die Schule und die spätere Ausbildung in Deutschland ab und hat seit einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Der junge Gastronom schätzt den Charme des fast 110 Jahren alten Hauses, will zunächst das eine oder andere renovieren und zusammen mit Wilhelm Stubbe das Konzept des Hauses weiterentwickeln.

Speziell am Wochenende ist das Fährhaus Kirschenland bis ins nächste Jahr gut bebucht. Im doppelten Sinne ist das Haus ein Familienbetrieb – auch die Gäste altern mit den Wirtsleuten. Und feiern bei wiederkehrenden Anlässen. Auf die grüne Hochzeit folgen der runde 50. Geburtstag oder die Silberhochzeit, eingeleitet mit einem Ständchen von Wilhelm Stubbe auf dem Schifferklavier. Möglicherweise wird es wieder die Weihnachtsbälle geben und die beliebte Maskerade des TSV Wisch Ende Januar.


Der alte und der neue Wirt stoßen an: Wilhelm Stubbe und Ilir Spaqaj (l.)
© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten. Foto: Steffen Kappelt / HA

Kreiszeitung Wochenblatt vom 07.07.17

Jork-Wisch – riesig sind die Fußstapfen, in die Ilir Spaqaj (35) tritt. Wie berichtet, übernimmt der gebürtige Kosovare, der zuletzt Restaurantleiter im „Carls“ an der Elbphilharmonie in Hamburg war, mit dem Fährhaus Kirschenland die wohl bekannteste und kultigste Feier-Location des Alten Landes. Und während von Vollblut-Gastwirt Wilhelm Stubbe (80) eine große Last um die Sorge eines Nachfolgers abfällt, sind alle Augen teils skeptisch auf den „Neuen“ gerichtet.

„Die ersten Schwielen hat er schon an den Händen“, sagt Stubbe über seinen Nachfolger. In den vergangenen Wochen hat Spaqaj dem 20-köpfigen Kirschenland-Team bei vielen Veranstaltungen nicht nur über die Schulter geguckt, sondern auch schon kräftig mit angepackt.

Als er das 1908 erbaute Gebäude vor rund zwei Jahren zum ersten Mal betreten habe, sei er sofort „verliebt“ gewesen. Und beeindruckt, mit wie viel Vertrauen er als Fremder damals empfangen wurde. „Die Bierzeltgarnituren, die ich für meine Einweihungsfeier ausleihen wollte, durfte ich einfach mitnehmen, ohne zu bezahlen oder einen Ausweis zu zeigen“, erinnert sich Spaqaj, der mit seiner Frau und einem Kind in Gehrden lebt.

Dass Wilhelm Stubbe ihn ausgesucht habe, obwohl er deutlich bessere Angebote gehabt habe, erfülle ihn mit Stolz, sagt der neue Fährhaus-Besitzer. Wie berichtet, hatte Stubbe, der das Kirschenland 1970 kaufte, schon länger nach einem Nachfolger gesucht. Rund ein Jahr lang stand das Kirschenland offiziell zum Verkauf. Sogar jetzt trudeln noch Angebote ein, berichtet Wilhelm Stubbe. Für ihn sei aber von Anfang an klar gewesen, dass er nur einen Käufer akzeptieren würde, der sein Erbe fortführen und die „Altländer zufrieden stellen“ könne. Und das ist ja bekanntlich nicht so einfach. Stubbe und Spaqaj hoffen deshalb, dass die Gäste dem neuen Wirt eine Chance geben.

Dass Spaqaj erstmal viel in das Gebäude investieren müsse, sei übrigens entgegen vieler Gerüchte nicht der Fall, sagt Stubbe. Vor zehn Jahren sei der Brandschutz für 750.000 Euro auf den neuesten Stand gebracht worden.

 

 

Nach der letzten TüV-Überprüfung habe Stubbe u.a. noch einmal 35.000 Euro in bemängelte Notausgang-Beleuchtung investiert. Er werde Spaqaj das Kirschenland zum 1. August so übergeben, dass alle Auflagen erfüllt seien, sagt Stubbe.Der neue Wirt plant als erstes einen neuen Außenanstrich. Außerdem will er seinen Gästen WLAN zur Verfügung stellen. Innen werde dann Schritt für Schritt renoviert. Künftig soll auch das Büro, das sich derzeit in Jork befindet, mit in das Fährhaus integriert werden. Am bewährten Veranstaltungs-Konzept soll sich aber nichts ändern.
Und Ilir Spaqaj hofft, dass er – wie bei einer wahren Liebesgeschichte – auch noch in 50 Jahren glücklich mit dem Kirschenland zusammen ist.


Ilir Spaqaj ist der neue Wirt im Fährhaus Kirschenland. Auf ihn sind künftig nicht nur Wilhelm Stubbes Augen gerichtet (Foto: lt)